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Ideologiekritik und Ideologiefreiheit

Politische Ideologien sind in vielerlei Hinsicht kritisierbar: Weltanschauungen können an der Realität vorbei gehen. Selbst aus einer objektiven Sicht auf die Welt können falsche Schlüsse gezogen und fragwürdige Theorien entwickelt werden. Und auch über ethische Grundannahmen lässt sich wunderbar streiten und philosophieren.

Im politischen Diskurs findet man jedoch häufig den Vorwurf, dass politische Forderungen oder Entscheidungen ideologisch motiviert seien. Damit wird unterstellt, dass die Argumentation nicht stichhaltig sei, weil sie auf einer politischen Ideologie basiere. Der eigene Standpunkt wird hingegen so dargestellt, als würde er auf nüchternen Fakten oder auf einer nicht in Frage zu stellenden Ethik beruhen. 

Wer solch einen Vorwurf äußert, der ignoriert die Tatsache, dass Politik immer mit Ideologie verbunden ist. Jede Partei hat eine politische Ideologie, die in parteiinternen Prozessen geformt (und dann in einem Parteiprogramm fixiert) wird. Eine unideologische, rein technokratische Politik ist realitätsfremd.

Und natürlich nimmt jede politische Ideologie für sich in Anspruch, die Welt objektiv zu bewerten und moralisch zu sein.

Wissenschaft und Journalismus können den Anspruch der Ideologiefreiheit haben. Wer aber als politisch argumentierender Mensch von sich behauptet, ideologiefrei zu sein und seinem Gesprächspartner ideologisches Diskussionsverhalten vorwirft, der agiert polemisch.

In einem fairen politischen Diskurs sollte man auf den pauschalen Ideologie-Vorwurf verzichten. Sinnvoller ist es, mit überprüfbaren Tatsachen (der Wahrheit) zu argumentieren oder konkret die Ideologie zu benennen und diese mit Argumenten zu kritisieren.